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Prüfung elektr. Anlagen

Sie erhalten einen roten Faden, der alle wichtigen Bestimmungen und Gesetze enthält. Sie sehen, zu welchen Prüfungen Sie verpflichtet sind und wie die einzelnen Verantwortlichkeiten geregelt sind. Wir haben uns bemüht, die für Sie wichtigsten Gesetzestexte zusammenzufassen. Bitte fragen Sie im Zweifelsfall nach.

Mit Inkrafttreten der BetrSichV (Betriebssicherheitsverordnung) ist das Nicht-prüfen-lassen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel im kommerziellen Bereich von Anfang an eine Straftat. Die BetrSichV unterscheidet dabei nicht nach Betriebsgröße oder Betriebszweck. Selbst der „Einzelkämpfer“, der seiner beruflichen Tätigkeit in seinen privaten Wohnräumen nachgeht, ist zur Prüfung verpflichtet.

In Betrieben, in denen der Unternehmer nicht selbst Verantwortliche Elektrofachkraft (VEF) ist, muss er die Fach- und Aufsichtsverantwortung einer Verantwortlichen Elektrofachkraft übertragen, wobei je nach Anforderung und Gefahren eine geeignete Fachkraft auszuwählen ist. (Zwang zur Pflichten- übertragung nach DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 5.3).

Wir übernehmen diese Aufgaben für Sie als externe Verantwortliche Elektrofachkraft und prüfen Ihre elektrischen Anlagen, elektrische Maschinen und Geräte nach den gesetzlichen Bestimmungen.

3. Netzanalyse elektrischer Netze nach EN 50160

Die Qualität der Energieversorgung ist für jedes Unternehmen von immer größerer Bedeutung. Eine mangelnde Netzqualität erhöht das Ausfallrisiko oder elektrischen Einrichtungen für Industrie- und Produktionsanlagen, Rechenzentren, EDV und Büroeinrichtungen.

häufige Ursachen für Betriebsstörungen in unseren heutigen Netzen, die hohe Kosten verursachen:

  • Oberschwingungen
  • Neutralleiter-Überlastung durch die dritte Harmonische
  • Vagabundierende Betriebsströme und EMV – Belastung

Statt der normalen Sinuswellen, die wir von früher kennen, erhalten wir über die Netze immer stärker verzerrte Signale. Besonders der Einsatz von elektronischen Schaltreglern führt zur Entstehung von Oberwellen in den Stromnetzen. In Netzen mit rein ohmschen Lasten werden diese Oberwellen bedämpft. Befinden sich jedoch Induktivitäten oder Kapazitäten im Netz, können sich die Oberwellen durch Resonanz-Phänomene verstärkt im Netz ausbreiten. Die wichtigsten Verursacher für Oberwellen sind Leistungssteller, Schaltsteller, Schaltnetzteile, Frequenzumrichter, Asynchronmotoren, Schweißgeräte, Lichtbogenöfen usw.

Oberwellen können sich auf zweierlei Art auswirken:
  • 1. Durch sofortige Störungen aufgrund der verzerrten Wellenform, z. B. in Form von Resonanzen, falschem Ansprechen von Steuerungen, Ausfällen durch Spannungsspitzen usw.
  • 2. Durch Langzeiteffekte, z. B. Verringerung der Lebensdauer oder vorzeitiger Ausfall aufgrund der thermischen Überlastung oder Überhitzung der entsprechenden Maschinen und Geräte

Da das Netz, das uns vom Stromversorger angeboten wird, mehr oder weniger stark mit Oberwellen verunreinigt ist, ist die Analyse der Netzqualität zur Abwendung von Anlagenausfällen besonders wichtig.

Wichtige Mess- und Bewertungsgrößen im Rahmen einer Netzanalyse:

  • Spannung (TRMS)
  • Strom (TRNS)
  • Peak Spannungen und Ströme
  • Wirkleistungen, Blindleistungen, Scheinleistungen pro Phase und zusammengefasst
  • Wirk-, Blind-, und Scheinenergie
  • Oberschwingungen bei Spannungen, Strömen oder Leistungen bis zur 50. Ordnung
  • Neutralleiterstrom
  • Scheitelfaktoren für Ströme und Spannungen
  • K-Faktoren für Ströme (Transformatoranwendungen)
  • Leistungsfaktor, Verschiebungsfaktor und Tangens
  • „Kurzzeitflicker“ für Spannungen
  • Asymmetrie für Ströme und Spannungen
  • Klirrfaktor (THD)

4. Prüfung elektrischer Anlagen

Prüfen in elektrischen Anlagen nach, bei Maschinen und Geräten BGV A3, DIN VDE 0100-T610, DIN VDE 0105, DIN VDE 0701, DIN VDE 0702, DIN VDE 0113 und DIN VDE 0100-T410.

Gesetze, Vorschriften und Normen

Die Hierarchie von Vorgaben und Regeln gliedern sich im Wesentlichen in 5 Ebenen:

Ebene 1: Vertragliche Vereinbarungen
Ebene 2: Gesetze
Ebene 3: Stand der Technik
Ebene 4: Unfallverhütungsvorschriften
Ebene 5: DIN-Normen, DIN VDE-Normen, VOB, TAB, Verordnungen, Regeln

Hieraus leiten sich die verantwortlichen Aufgaben zur Prüfung der elektrischen Anlagen für jedes Unternehmen ab.

Grundlagen der Prüfungen

  • Alle für die Errichtung der Anlage gültigen Normen
  • Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV
  • Alle für die Errichtung der Anlage gültigen Vorschriften (z. B. VOB)
  • EMV-Gesetz
  • Bei Erweiterung von Anlagen die Normen, die zur Zeit der Errichtung Stand der Technik waren
  • Eventuell vorhandene Anpassungsanforderungen
  • Vorgaben durch EVU, Behörden, Sachversicherer, Ämter
  • Eventuell zu beachtende örtliche Besonderheiten
  • Vertragliche Vereinbarungen und Wünsche des Auftraggebers
  • Eigene Erfahrung, Kenntnisse, Prüfverfahren, Literatur
  • Normen für die Prüfgeräte und Hilfsmittel

Auszug aus der Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV

  • §4
    • (1) der Arbeitgeber hat die nach den allgemeinen Grundsätzen des §4 des Arbeitsschutzgesetzes erforderliche Maßnahmen zu treffen, damit den Beschäftigten nur Arbeitsmittel bereitgestellt werden, die für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und bei deren bestimmungsgemäßer Benutzung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind. Ist es nicht möglich, demgemäß Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten in vollem Umfang zu gewährleisten, hat der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Gefährdung so gering wie möglich zu halten. Die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend für die Montage von Arbeitsmitteln, deren Sicherheit vom Zusammenbau abhängt.
    • (2) Bei den Maßnahmen nach Absatz 1 sind die vom Ausschuss für Betriebssicherheit ermittelten und vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung im Bundesarbeitsblatt veröffentlichten Regeln und Erkenntnissen zu berücksichtigen. Die Maßnahmen müssen dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung nach §3 und dem Stand der Technik entsprechen.
    • (3) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Arbeitsmittel nur benutzt werden, wenn sie gemäß den Bestimmungen dieser Verordnung für die vorgesehene Verwendung geeignet sind.

Konsequenzen der BetrSichV

Gefährdungsanalyse
Der Unternehmer hat für alle Tätigkeiten in seinem Betrieb die zu erwartenden Gefährdungen zu erfassen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeitssicherheit bei allen Tätigkeiten in seinem Unternehmen zu garantieren.

Prüfpflicht
Damit ist natürlich auch eindeutig gefordert, dass elektrische Anlagen und Geräte regelmäßig zu prüfen sind. Ein Verstoß gegen diese gesetzliche Forderung stellt also keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat dar, auch dann, wenn als Folge noch kein Unfall oder Schadensfall eingetreten ist.

Pflicht zur Dokumentation
Die Ergebnisse der Prüfungen sind zu dokumentieren und über einen angemessenen Zeitraum aufzubewahren, mindestens aber bis zur nächsten Prüfung. Die Interpretation dieser Aussage ist selbst unter Juristen umstritten – ob Messwerte zu dokumentieren sind, oder eine globale Aussage zur bestandenen Prüfung ausreicht, wird kontrovers diskutiert. Bis zur Klärung ist es ratsam, Messwerte zu archivieren, auch dann, wenn diese Forderung im juristischen Sinn keinen Bestand haben sollte. Achtung: Bei Medizinprodukten müssen die Messwerte aufgeschrieben und archiviert werden.

§5 der BGV A3

Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden:

Vor der ersten Inbetriebnahme und nach Änderungen oder Instandsetzungen vor der Wiederinbetriebnahme durch eine Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft.

In bestimmten Zeitabständen. Die Fristen sind so zu bemessen, dass Mängel, mit deren Entstehen gerechnet werden muss, rechtzeitig festgestellt werden. Bei der Prüfung sind die sich hierauf beziehenden elektrotechnischen Regeln zu beachten.

Auf Verlangen der Berufsgenossenschaft ist ein Prüfbuch mit bestimmten Eintragungen zu führen.

Empfohlene Prüffristen

In der BGV A3 werden Prüffristen empfohlen für

  • Ortsfeste Anlagen und Betriebsmittel
  • Ortsveränderlicher Betriebsmittel
  • Schutz- Hilfsmittel, persönliche Schutzausrüstungen

Die tatsächlichen Prüffristen für das eigene Unternehmen hängen von der eigenen Gefährdungsanalyse nach der BetrSichV ab.

Prüfpflicht vermieteter Objekte

Der Vermieter hat die vermietete Sache in einem dem vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten zustand zu überlassen und in diesem Zustand zu erhalten!

Anmerkung:

Das gilt für Wohnungen ebenso, wir für vermietete Gegenstände (Werkzeuge, Rasenmäher, usw.)

Bei gewerblicher Nutzung gemieteter elektrischer Anlagen (z. B. Installation und elektrische Geräte) hat sowohl der Vermieter als auch der Mieter dafür zu sorgen, dass in angemessenen Intervallen geprüft wird. Hier sind Absprachen und sinnvolle, schriftliche Aufgabenabgrenzungen unerlässlich!

Bei privater Nutzung von kommerziell verliehenen elektrischen Anlagen und Geräten hat der Vermieter die allgemeine Prüfpflicht. Bei gewerblicher Nutzung hat auch der Nutzer (Mieter) Mitverantwortung für die Durchführung erforderlicher Prüfungen. Mieter und Vermieter haben dann ihre Pflichten aufeinander abzustimmen.

Pflichtenübertragung

An oder in der Nähe von spannungsführenden Teilen darf nur gearbeitet werden, wenn:

  • durch die Art der Anlage keine Gefährdung durch Körperdurchströmung oder Lichtbogeneinwirkung usw. auftreten kann (<50V AC/120DC, eigensicher [DIN VDE 0165], Ikurzschluss <3 mA, Energie <350mJ).

oder

  • aus zwingenden Gründen der spannungsfreie Zustand nicht hergestellt werden kann (Lebensgefahr, produktionsbedingte Vorgänge) soweit dabei:
    • durch Hilfsmittel eine Durchströmung ausgeschlossen ist
    • durch den Unternehmer nur fachlich geeignete Personen beauftragt werden
    • der Unternehmer technische und organisatorische Maßnahmen ergreift, die ausreichenden Schutz gewährleisten.

Bei notwendiger Abweichung von diesen Festlegungen ist eine Anweisung durch eine verantwortliche Elektrofachkraft erforderlich (DIN VDE 0105-T100, Punkt 6.3 c).

Siehe hierzu auch BGV A3 §§6,7 und 8

Zwang zur Pflichtenübertragung (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 5.3)

In Betrieben, in denen der Unternehmer nicht selbst Verantwortliche Elektrofachkraft (VEF) ist, muss er die Fach- und Aufsichtsverantwortung einer Verantwortlichen Elektrofachkraft übertragen, wobei je nach Anforderung und Gefahren die geeignete Fachkraft auszuwählen ist.

BGV A1 § 1 Pflichtenübertragung

Der Unternehmer kann zuverlässige und fachkundige Personen schriftlich damit beauftragen, ihm nach Unfallverhütungsvorschriften obliegende Aufgaben in eigener Verantwortung wahrzunehmen. Die Beauftragung muss den Verantwortungsbereich festlegen und ist vom Beauftragten zu unterzeichnen. Eine Ausfertigung der Beauftragung ist ihm auszuhändigen.

Drei Möglichkeiten, die Prüfpflicht wahrzunehmen:

1. Der Unternehmer übernimmt selbst die Aufgaben als Verantwortliche Elektrofachkraft (VEF)

  • Belehrung und Beauftragung zum Prüfen an die Beschäftigten

2. Der Unternehmer beauftragt einen Mitarbeiter als Verantwortliche Elektrofachkraft (VEF)

  • Pflichtübertragung vom Unternehmer an die VEF
  • Belehrung und Beauftragung zum Prüfen durch die VEF an die Beschäftigten

3. Der Unternehmer beauftragt eine externe Verantwortliche Elektrofachkraft (VEF)

  • Belehrung der Beschäftigten durch den Unternehmer
  • Einweisung und Pflichtenübertragung vom Unternehmer an die externe VEF
  • Belehrung und Beauftragung zum Prüfen durch die externe VEF an die Beschäftigten

Verantwortungsbereiche

Der Unternehmer hat

  • Auswahlverantwortung
  • Organisationsverantwortung
  • Führungsverantwortung

Die (verantwortliche) Elektrofachkraft hat

  • Fachverantwortung
  • Führungs-/Aufsichtsverantwortung

Die elektrotechnisch unterwiesene Person hat

  • Fachverantwortung
  • die Pflicht, die nach ihrer Meinung notwendigen Voraussetzungen für die ihr übertragenen Arbeiten zu fordern (Prüfplatz, Werkzeug, Unterlagen, Lehrgang, Fachliteratur usw.)

Anhang

Definition des Unternehmers (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Unternehmer ist, wer das Geschäftsrisiko trägt, oder von diesem mit der Leitung des Unternehmens (bzw. einem Teil des Unternehmens) beauftragt worden ist.

Definition der Verantwortlichen Elektrofachkraft VEF (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Verantwortliche Elektrofachkraft ist, wer als Elektrofachkraft die Fach- und Aufsichtsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt ist.

Definition der Elektrofachkraft EF (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Elektrofachkraft ist, wer auf Grund seiner Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen der einschlägigen Bestimmungen die ihm übertragenen Aufgaben beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann. Zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung kann auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Gebiet herangezogen werden.

Definition der Elektrotechnisch unterwiesene Person EUP (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer über die ihm übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen belehrt wurde.

Anmerkung:

Für das Durchführen von Prüfarbeiten ist nach BetrSichV (bzw. TRBS 1203) die EUP nicht einsetzbar. Dafür wird eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung zwingend gefordert!

Definition der Fachkraft für festgelegte Tätigkeiten FFT (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Fachkraft für festgelegte Tätigkeiten ist, wer in seinem Handwerk zur Erfüllung seiner Aufgaben andere Gewerke durchführen muss, eine entsprechende Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, vor Ort in die Aufgabe eingewiesen wurde und vom Unternehmer berufen worden ist.

Definition des Laien (DIN VDE 1000 Teil 10, Absatz 4.1)

Laie ist, wer weder als Fachkraft, noch als unterwiesene Person qualifiziert ist.

Weiterbildung der Elektrofachkraft(2.Verordnung zur Durchführung des Energiewirtschaftsgesetzes, BGB1 I, S.146 vom 14.01.1987)

Die Elektrofachkraft ist verpflichtet, sich ständig fortzubilden, sodass ihr die allgemeinen Regeln der Technik auch wirklich bekannt sind. Tut sie dies nicht, sondern verstößt sie gegen solche Bestimmungen, dann ist regelmäßige Fahrlässigkeit sowohl im zivilrechtlichen-, wie im strafrechtlichen Sinne anzunehmen.

Inhalte

VDE Vorschriften

Unsere Dienstleistungen im Einzelnen



Überblick über die Betriebs- sicherheitsverordnung (BetrSichV)